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Kapitel 2: (Lili/Lena)

Ich lag auf meinem Bett und
weinte. Fabi tröstete mich zwar
ganz lieb, aber das half nicht
sehr viel. „Hey, ist ja gut. Ich kann
ja versuchen, dir zu helfen.“, schlug
er vor und streichelte meine Hand.
„Bestimmt bringt das nichts. Mein Vater
ist Anwalt. Der kann sich da raus reden
und macht dann wer weiß was mit mir.“,
schluchzte ich. Die Tür wurde aufgestoßen.
„Wer ist das?!“, fragte mein Vater aufgebracht.
„Ein Freund.“, sagte ich. „Es ist nach 6 Uhr
abends! Was hatte ich zu Besuch von
Freunden gesagt?!“, keifte er. Fabi war zu
einer Salzsäule erstarrt. „Nur bis 6 Uhr.“,
nuschelte ich. „Korrekt! Und deswegen geht
er jetzt!“, schrie mein Dad und wies Fabi
den Weg zur Haustür und knallte sie hinter
ihm zu. Dann kam er zurück und zog mich
hoch, nur um mich dann wieder zu Boden
zu stoßen. Er begann, auf mich einzutreten
und ich presste meine Lippen zusammen, um
nicht zu schreien. Dann bekam ich noch mehr
Prügel. „Mama, wo bist du nur?“, weinte ich leise.
Mein Vater trat mir mitten in den Bauch und in
den Rücken. Überall hin. Ich konnte nicht mehr.
Ich schrie laut auf. Mein Vater zog mich auf die
Beine und zog mich in sein Schlafzimmer. Er
schubste mich aufs Bett und setzte sich auf meine
Hüfte. Das tat auch weh. Er begann, auf mich
einzuschlagen, als plötzlich die Haustür
aufgebrochen wurde und Polizisten in die
Wohnung stürmten. Sie nahmen meinen
Vater fest und ein Arzt stürmte zu mir. Ich
konnte mich nicht mehr bewegen. Alles schmerzte.

Ich wurde von Arzthelfern auf eine Trage
gelegt und in den Krankenwagen gebracht.
Fabi stieg hinzu. „Ich habe sofort die Polizei
gerufen, als du geschrieen hast.“, sagte er.
Mir traten Tränen in die Augen und sie
rannen über meine Wangen. „Dafür wirst du
büßen müssen.“, weinte ich und spürte, wie
mir etwas gespritzt wurde. Kurz darauf schlief ich
ein.

War das Tom? Ja, das war er. Und Annika.
Zusammen in einem Auto und sie fummelten.
Als Tom mich sah, öffnete er die Autotür und
rief mir etwas zu. „Lili! Was machst du denn
hier?“, fragte er etwas geschockt. „Ich… ich…
Verzeihung.“, stotterte ich und rannte weg.
Tränen traten in meine Augen und ich fiel
zu Boden. Ich hörte Schritte, die sich näherten.
Dann wurde ich hochgehoben. „Ist gut.“,
sagte Tom sanft. Was wollte der denn noch
von mir?! Er brachte mich zu sich nach Hause
und legte mich aufs Bett. Annika war
mitgekommen. Er küsste sie. „Tschüss, mein
Stern. Ich muss mich um Lili kümmern.“,
sagte er und sie ging. Dann kam er zu mir.
„Lili, das war dumm von dir!“, zischte er und
gab mir eine Ohrfeige. Es tat weh, aber
was hatte ich denn jetzt gemacht?! Tom
knöpfte meine Bluse auf. Ich schubste ihn
weg und rannte nach Hause. Doch Tom war
 schneller gewesen und hatte einen anderen
Weg genommen. Er erwartete mich vor der
Haustür. „Na.“, sagte er. „Tom, verschwinde!
Es ist aus! Du hast mich betrogen, du Schwein!“,
schrie ich ihn an. „Ach, iwo.“, sagte er und kam
näher. Er wollte mich anfassen. „Nein! Nein! Nein!“,
schrie ich ununterbrochen.

„Nein! Nein! Nein!“ Ich wurde gerüttelt
und schlug die Augen auf. Fabi sah mich
besorgt an. „Das war nur ein Albtraum.“, sagte
er. Ich nickte leicht. „Jo und Julie kommen
gleich.“, sagte er. Ich nickte erneut. Ich
wollte mich drehen, aber es schmerzte.
„Ah, nicht bewegen! Deine Rippen sind
geprellt und deine Hand ist gebrochen.
Deine Lunge wäre beinahe eingedrückt
worden und du hast viele innere Verletzungen.“,
sagte Fabi und hielt mich sanft fest. „Ich will
sterben.“, wisperte ich und schloss kurz die
Augen. „Nein! Wenn ich nicht mehr sterben
will, sollst du es auch nicht!“, sagte Julie,
die gerade den Raum betrat. Sie und Jo
kamen zu mir. Irgendwie hatte ich noch
gar nicht richtig wahrgenommen, dass Jo
und Fabi berühmte Stars waren, aber wen
interessierte das im Moment? Mich nicht.
Julie kam zu mir und strich mir sanft über
die Wange. „Mensch Maus…“, sagte sie
leise und leicht seufzend. „Lass das
Mitleid.“, sagte ich und sie sah mich
schräg an. „Ich will kein Mitleid und ich will
auch nichts hören, was mit meinem Vater
zu tun hat.“, sagte ich und drehte mich
um. Ein kurzes Stechen und dann
schmerzte alles. Ich kniff die Augen
zusammen und presste die Lippen
aufeinander. Verdammt, tat das weh! Fabi
sah besorgt aus und rief sofort einen Arzt.
Ich wurde zurückgedreht und dort fixiert. Na
ganz toll. „Sie dürfen sich nicht drehen,
das kann ihre Rippen noch mehr beieinträchtigen.“,
sagte der Arzt. „Ach, halten sie die Klappe.“,
schnauzte ich. Immer schön freundlich beim
Siezen bleiben, auch beim Beschimpfen.

„Meine Güte, Lili! Jetzt spiel hier nicht die
Starke. Das musst du nicht.“, meinte Julie.
„Aber…“, begann ich. „Lili, du darfst ruhig
weinen.“, sagte Jo sanft. „Aber…“, sagte
ich leise. „Ist schon gut. Wir werden dich nicht
auslachen oder so. Wir haben dich doch lieb.“,
sagte Fabi und nahm meine Hand ganz vorsichtig.
Meine starke Fassade brach mit einem lauten
Klirren. Tränen begannen, meine Wangen hinab
zu laufen. „Warum tut er so was?“, fragte ich
wimmernd. „Weil er nicht weiß, was er doch für
ein Glück hat, so eine Tochter zu haben.“, sagte
Julie und strich über meine Wange. Ein Polizist
betrat den Raum. „Entschuldigung. Ich muss
wissen, was passiert ist, damit wir deinen Vater
vors Gericht bekommen.“, erklärte er. „Ich…
ich kann das nicht.“, sagte ich leise. „Bis zu
einer gewissen Stelle kann ich das auch sagen.“,
meinte Fabi. „Ok, dann fang ich mit dir an.
Dann erzähl mal.“, sagte der Polizist. „Ehm,
ich war bei Lili und habe sie getröstet weil
sie hatte mir erzählt, was ihr Vater mit ihr
macht und so. Dann kam er rein und meinte,
ich solle gehen. Als ich vor der Haustüre
stand, habe ich versucht, da wieder rein
zu kommen. Plötzlich habe ich Lili schreien
gehört und dann habe ich die Polizei gerufen.
Den Rest wissen sie.“, sagte Fabi. „Ok, und
nun zu dir. Stimmt das so?“, fragte er
mich. „Soweit ja.“, sagte ich schluchzend.
„Ich frage dich jetzt Fragen, die du nur mit
Ja und Nein beantworten musst.“, sagte er.
Ich nickte leicht. Fabi drückte meine Hand
und Julie die andere. Ich drückte zurück.
„Hat dein Vater dich geschlagen?“
„Ja.“
„Hat er dich schon öfter geschlagen?“
„Ja.“
„Hat er sich an dir jemals vergangen?“
„Nein, das nicht.“
„Lebt deine Mutter nicht mehr bei euch?“
„Nein, sie ist tot.“, sagte ich.
„Ok, das war’s auch schon. Wir werden
dir Bescheid geben, wann die Verhandlung
ist und das Jugendamt wird sehen, wo du
hinkommst.“, sagte er und ging. „Wo du
hinkommst? Heißt das, dass du vielleicht
ganz weit weg sein wirst?“, fragte Julie.
„Ich weiß es nicht.“, sagte ich und sah
traurig aus dem Fenster. „Wir gehen, ok?“,
fragte Jo. Ich nickte leicht. Jo und Julie
waren schon zur Tür hinaus, da drehte
sich Fabi noch einmal um und sah zu
mir. „Werd schnell wieder gesund, dann
können wir was unternehmen.“, sagte er
und zwinkerte mir zu. Ich lächelte leicht.
„Ich werd’s versuchen. Tschüss. Aber vergiss
nicht, mich noch öfter zu besuchen, sonst
überleg ich mir das anders.“, sagte ich und
er grinste. „Versprochen, werde ich nicht
vergessen. Ich komm gleich morgen.“, sagte
er und verließ den Raum.

Zwei Stunden später wurde eine
Frau zu mir mit ins Zimmer verlegt. Sie
hieß Maria, war 20 und hatte sich bei
einem Autounfall einige Knochen gebrochen.
Sie war recht nett und wir verstanden uns
gut. Das war ja mal super! Dann war es
nicht so langweilig für uns beide. Jedoch
sollte Maria schon in drei Tagen
entlassen werden und ich erst in zwei
Wochen. Aber vielleicht käme ja
jemand anderes.

Am nächsten Tag wartete ich vergebens
auf Besuch. Julie hatte sich abgemeldet,
weil sie mit ihren Eltern weg gefahren war.
Ausnahmsweise mal, also war sie entschuldigt,
aber Jo und Fabi kamen auch nicht, obwohl
Fabi mir versprochen hatte, dass er auf jeden
Fall käme. Ich weinte die Nacht über, weil ich
mich verlassen fühlte und ich erzählte Maria ein
wenig davon, warum ich hier lag. Sie war total
geschockt. „Vielleicht kann ich ja um das
Sorgerecht bitten. Ich bin beim Jugendamt
ziemlich weit oben und das mit deinen Freunden
gibt sich schon wieder. Denen ist bestimmt nur
etwas dazwischen gekommen.“ Versicherte sie
mir. Na, das hoffte ich doch mal.

 

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