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Kapitel 6 (Lili/Lena)

„Fabi! Lass es doch mal sein!“, keifte ich und schmiss
ihn aus dem Zimmer. „Was hab ich denn jetzt schon
wieder gemacht?!“, keifte es von vor der Tür. „Alles!“,
meinte ich und schloss die Tür ab. Der sollte bloß nicht
noch mal reinkommen! Es klopfte. „Was?!“, fragte ich
gereizt. „Mann, was auch immer ich getan habe… Es tut
mir Leid! Lass mich jetzt wieder rein!“, maulte Fabi.
„Kannst mich mal!“, keifte ich. „Kannst mich auch mal!“,
maulte er. „Kannst mich auch gern 4 Mal!“, schrie ich
und grinste. „Immer 2 Mal mehr, wie du!“, lachte er. Ich
schloss die Tür auf. „Ich wollte nur sagen, dass ich Jo
gerade beim telefonieren mit Julie belauscht habe.“,
grinste er. „Ah, war es was Peinliches?“, fragte ich.
„Ne, aber die wollen uns verkuppeln…“, meinte er
kichernd. Halt, Moment! Zurückspulen bitte! Julie, ich
kill dich! Mit meinen eigenen 5 Händen… Ok, ich hab nur
2, aber wer weiß, was man damit alles machen kann…
Und wenn es dann 5 wären, wäre das noch viel besser!
Na ja, denk ich mal…
„Hallo? Lili?“ Eine Hand wedelte vor meinem Gesicht auf
und ab. „Was?“, fragte ich genervt. „Du bist so abwesend.“
“Ja, und?“, motzte ich ihn an. „Sag mal, müssen die uns
denn unbedingt verkuppeln?“, stöhnte ich. Fabi sah etwas
traurig aus. „Klingt ja ganz so, als wäre das unnötig.“,
meinte er niedergeschlagen. „Ja, so soll es auch klingen!“,
meinte ich und ließ mich auf den Rücken fallen. Fabi
traten kleine Tränen in die Augen und er rannte aus
dem Raum. Ich seufzte leise. „Fabi! Komm zurück!“,
rief ich und stand auf. Er kam natürlich nicht zurück.
Ich lief aus dem Zimmer und in seines, aber da war
er nicht. Das Haus hatte er nicht verlassen- ergo: er
war bei Jo.
Ich lief zu Jos Zimmer und hörte Fabi schluchzen.
„Ja, ich hab dich belauscht, aber sie meinte total kalt,
dass das nicht nötig wäre, uns zu verkuppeln… Ich weiß
nicht, was ich machen soll! Ich liebe sie- Sie liebt mich
anscheinend nicht. Das geht niemals gut aus… Jedenfalls
nicht für mich…“, schluchzte Fabi. „Hm… Ich denke, sie
weiß einfach noch nicht, dass sie dich eigentlich mag.
Deswegen wollen wir ja auch diese Aktion machen. Und
anscheinend bist du ja hochgradig dafür.“, meinte er.
„Ja…“, keuchte Fabi und schluckte die Tränen runter.
Ich schlich mich zurück in mein Zimmer und rutschte,
nachdem ich die Tür geschlossen hatte, diese runter
und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. In mir
stiegen Tränen auf, ich weiß auch nicht genau, warum,
aber es hatte etwas mit Fabi zu tun, das wusste ich.

Nach 3 Stunden heulen, klopfte es an der Tür. „Lili?“,
fragte Jo. Ich schluchzte und vergrub mein Gesicht
tiefer in meinem Kissen. Jo machte die Tür vorsichtig
auf und setzte sich auf mein Bett neben mich. Er strich
mir beruhigend über die Haare. „Hey, ist ja gut. Was
ist denn?“, fragte er sanft. Ich schluchzte und schnappte
japsend nach Luft. „Ich weiß nicht…“, schluchzte ich.
„Wann musstest du denn weinen?“, fragte er weiter.
„Als F…Fa..Fabi weg gegang…gegangen ist…“, schluchzte
ich und konnte mir schon denken, was Jo jetzt dachte.
Aber ich bin felsenfest sicher, dass ich nichts von ihm will!
NICHTS! N.I.C.H.T.S! „Ist schon gut… Soll ich ihn holen?“,
fragte er. Ich nickte, ohne richtig nach zu denken. Jo
verließ den Raum und wenige Minuten später ging die
Tür wieder auf. „Lili, was hast du?“, fragte Fabi und
setzte sich nach einigem Zögern auf mein Bett neben
mich, wo vorher Jo schon gesessen hatte. Er hob leicht
die Hand, hielt aber kurz vor meinem Kopf und zog sie
dann zurück. Ich schluchzte weiter. „Ist ja schon gut,
hör auf zu weinen.“, sagte er sanft und ich griff mit
meiner nach seiner Hand. Ich drückte sie fest und Fabi
drückte zaghaft zurück. „Ich will nicht mehr alleine
sein… Meine Mutter hat mich alleine gelassen, mein
Bruder und mein Vater… Ich will nicht auch noch euch
verlieren…“, schluchzte ich und vergrub mein Gesicht in
dem Kissen. Fabi hob sanft mein Kinn an, sodass ich
ihm in die Augen sehen konnte und brachte mich sacht
zum sitzen. Ich sah ihm in seine braunen Augen. „Du
wirst nicht von uns alleine gelassen. Ich, auf jeden Fall,
werde dich nie mehr alleine lassen. Versprochen.“, sagte
er und ich lehnte mich schluchzend an seine Brust. Er
nahm mich in den Arm und wiegte mich sanft hin und
her. „Ist schon gut, ist schon gut…“, wisperte er und gab
mir einen Kuss auf die Haare. „Ich wüsste nicht, was ich
ohne euch machen würde… Danke, Fabi.“, wisperte ich
und legte meine Lippen kurz auf seine. Dann verließ ich
das Zimmer und ging ins Bad, um meine verlaufene
Schminke abzuwischen. Als ich das Stück Papier mit der
Schminke in den Müll warf, ging die Tür auf. Ich erschrak
etwas. Jo stand in der Tür. „Sag mal, bist du eine
Eiskönigin?“, fragte er feixend. „Eh, nö, wieso?“, fragte
ich. „Fabi sitzt wie ne Eisskulptur auf deinem Bett und
regt sich nicht…“, kicherte er. Mir huschte ein Lächeln
übers Gesicht. Ich ging zurück in mein Zimmer und da
saß Fabi wirklich noch regungslos. Ich kicherte kurz
und setzte mich hinter ihn. Ich schlang meine Arme
um seinen Hals und er schüttelte sich kurz. Dann sah
er zu mir. „Fabilein…?“, grinste ich. „Ja?“, fragte er.
„Magst du mit mir spazieren gehen?“, fragte ich. Er
nickte leicht und verließ den Raum, um sich Jacke
und Schuhe anzuziehen. Ich zog mir eine Schwarze
Strickjacke und schwarze Chucks an und lief die Treppe
runter zur Haustür. Dort wartete schon Fabi. Wir verließen
das Haus und liefen zum Waldstück in der Nähe. Auf
einer Bank blieben wir sitzen. Ich sah auf eine Wiese
mit jungen Blumen und lächelte leicht. „Guck mal, so
schöne Blumen…“, flüsterte ich und er nickte leicht.
„Lili…?“, fragte er leise. „Hm?“ „Ich muss dir was
sagen…“, sagte er. „Hm…“, machte ich wieder. „Ich…
warte, guck mich mal an…“, sagte er. Ich sah zu ihm.
„Ich liebe dich.“, flüsterte er mir ins Ohr, nachdem er
mit seinem Gesicht neben meinem Ohr war. Ich fühlte
ein Feuerwerk in meinem Bauch, aber sagen konnte
ich nichts. Fabi zog den Kopf zurück und sah auf die
Wiese. „…ich dich auch…“, wisperte ich nach einiger Zeit
leise und stand auf. Ich setzte mich auf die Wiese und
sah dem Wind zu, wie er die wenigen Blätter der Bäume
durchwehte und die Äste zum winken brachte. Plötzlich
spürte ich zwei Hände auf meiner Hüfte und sah hinter
mich. Dort saß Fabi und sah mich verträumt an. „Ich
lass dich nicht mehr los.“, sagte er und küsste mich
sanft. Meine Lippen kribbelten wie sau und mein Bauch
spielte verrückt. Fabi bewegte seine Lippen sacht auf
meinen und zog mich in seine Arme. Nachdem sich
unsere Lippen voneinander gelöst hatten, schmiegte
ich mich an ihn und schloss die Augen. Ich zog seinen
Geruch ein und fühlte mich zum ersten Mal seit Jahren
wieder bei jemandem geborgen. Nach weniger Zeit war
ich anscheinend eingeschlafen.

Ich wurde davon geweckt, dass mir Tropfen ins Gesicht
fielen. Ich schlug die Augen auf und sah, dass es
regnete. Wir lagen auf der Wiese. Ich in Fabis Armen
und er schlief immer noch. Ich rüttelte ihn sanft und er
öffnete die Augen. „Was ist los?“, fragte er verschlafen
und rieb sich den Schlaf aus dem Augen. „Es regnet..!“,
lachte ich. Er streckte sich und richtete sich auf. Jetzt
saß ich auf seinem Schoß. „Na, dann komm mal schnell
nach Hause.“, sagte er und hob mich auf seine Arme.
Ich quiekte kurz. „Bin ich nicht zu schwer für dich?“, fragte
ich grinsend. „Nein, geht so.“, lachte er und trug mich
den langen Weg zurück zum Haus. Dort setzte er mich
in meinem Zimmer ab und ging sich umziehen. Als er
wieder rein kam, zog ich gerade mein Shirt aus. „..Jo
hat Julie zu Besuch und die Beiden… Uhhh…“, meinte
er und grinste. Ich schrak zusammen und ließ das neue
Shirt fallen. Er kam zu mir und hob es auf. Dann gab er
es mir und ich ließ es gleich wieder auf den
Schreibtischstuhl fallen und umschlang seinen Nacken
mit meinem Armen. Ich zog ihn rückwärts aufs Bett und
küsste ihn. Er lächelte sanft und erwiderte den Kuss.
Wir lagen immer noch auf dem Bett, als plötzlich Jo und
Julie ins Zimmer platzten. „Wir haben jemanden schreien
gehört und wollten nachschauen, was passiert ist… Was
ist denn das?!“, fragte Julie und kicherte. „Hihi, ich
glaube, wir müssen nichts mehr machen.“, meinte Jo.
Julie nickte zufrieden und die Beiden verließen grinsend
den Raum. Fabi bekam davon nichts mit und ich nur
wage. Na, war ja auch Wurst und Käse und deswegen
unwichtig und Fabi und unser Kuss war sowieso schon
die ganze Zeit wichtiger. Fabi trennte seine Lippen von
meinen und nahm mich in den Arm. „Du bist so süß.“,
kicherte er und küsste mich auf die Nasenspitze. „Und
du bist niedlich.“, kicherte ich und kuschelte mich an
ihn. Konnte dieser Tag noch besser werden?




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